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Die Weinkeller von Nohfels Drucken E-Mail
deutsche Volkssagen, Mythen, Märchen und Legenden - Literatur aus dem Saarland


Die Weinkeller von Nohfels

   

Kunst und Kultur aus den vergangenen Jahrhunderten

Die Herren, die auf dem Nohfels bei Sobernheim hausten, waren schlimme Gesellen. Besonders wussten die Mönche vom Disibodenberg davon ein Liedlein zu singen. Wollten die Bauern von Monzingen und Weiler ihre Zehntweine nach dem Kloster bringen, dann geschah es oft, dass sie mit ihren Fuhren von diesen Schnapphähnen überfallen und gezwungen wurden, ihren Wein nach dem Nohfels zu fahren. - Das Kloster hatte das Nachsehen. Fuhren die Brüder mit den Klosterknechten nach den Dörfern hinaus, um selbst den Wein abzuholen, so machten es die Nohfelser ihnen ebenso. Wer sich zur Wehr setzte, um den war es geschehen, denn auf ein Menschenleben kam es diesen Bösewichten nicht an. - Mochte nun der ehrwürdige Abt mit des Himmels Strafe und der Hölle Qualen drohen, so hatten sie dafür nur ein Gespött. Höhnend ließen sie ihm sagen: der Herr Abt und die Brüder sollten fleißig für das Seelenheil der sündigen Nohfelser beten, sie selbst aber wollten jetzt schon den Durst trinken, der sie in der Hölle später treffe. - Doch nicht allein dem Kloster, auch den Bauern im weiten Umkreise waren sie ein Schreck, und man bekreuzigte sich, wenn nur der Name eines Nohfelser genannt wurde. - Aber es sollte noch schlimmer kommen. Die Keller auf dem Nohfels waren nicht groß genug, um alle die köstlichen Weine, welche die Strauchdiebe zusammenraubten, unterzubringen. So kamen sie denn auf den Gedanken, einen Felsenkeller in dem in der Nähe liegenden Schlossfelsen anzulegen.

Bald gab's viel Klagen und Jammern in den Dörfern ringsumher. Kein rüstiger Mann konnte mehr auf dem Felde seiner Arbeit nachgehen. Ehe er sich versah, hatten ihn die Räuber von Nohfels gefangen und schleppten ihn nach ihrem sicheren Neste. Dort musste er in dem Felsenkeller arbeiten, und sie ließen ihn nicht eher los, bevor er nicht vier Wochen lang gemeißelt und gepickelt hatte. Dabei gab es magere Kost und keine Rast noch Ruh. Sank einer der Unglücklichen ermattet nieder, so schwangen die Knechte unbarmherzig die Geißeln auf seinem Rücken. Wenn die vier Wochen um waren, dann ließ man sie zwar laufen, aber krank, kraftlos und abgemagert kamen sie zu den Ihren zurück. Monatelang dauerte es, bis sie sich erholt hatten, mancher blieb für immer dem Siechtume verfallen. - War es ein Wunder, wenn die Äcker verödeten und die Weinberge verwilderten? - So trieben denn die Nohfelser ihr schändliches Wesen drei Jahre lang, bis der Keller fertig war. Im Lande weitum erzählte man sich von dem großen Felsenkeller mit den mächtigen Gewölben, den riesigen Fässern und von den herrlichen Weinen, die hier lagerten. Trinklustige Ritter kamen von nah und fern, um den berühmten Keller zu sehen, und um sich an seinen köstlichen Schätzen zu letzen. Manch edler Tropfen wurde den Herren zum Trunk angeboten, aber keiner durfte den Keller betreten. Selbst der Eingang, der von der Burg aus unter der Erde zum Keller führte, wurde geheimgehalten. - Einst, es war in einer Johannisnacht, hielten die Nohfelser mit ihren Dirnlein und Kumpanen ein wüstes Gelage. Ein furchtbares Wetter zog am Himmel auf. Der Donner rollte, der Blitz zuckte, die Schleusen des Himmels öffneten sich, die Wasser der Nahe stiegen und überschwemmten das ganze Land.

Im nahen Sobernheim und in den Dörfern umher läuteten die Sturmglocken, aber auf dem Nohfels lärmte und toste man. Die Dirnlein jauchzten, die Männer fluchten und höhnten und spotteten - trotz Wetter und Wasser. - Doch plötzlich verstummte Jubel und Jauchzen. - Der Blitz hatte in das Raubnest eingeschlagen. - Was weiter geschah, darüber weiß die Sage nichts zu berichten. Als das Wetter vorüber war, sah man von dem Nohfels nichts mehr als rauchende Trümmer. Das gläubige Volk aber erblickte darin eine Strafe des Himmels. Tagelang mied man den Ort. Alsdann fingen einige an, die einst dort an dem Felsenkeller gearbeitet hatten, den Schutt wegzuräumen. Sie suchten die Tür zum Eingang des Kellers, sie glaubten jetzt, für ihre Leidenszeit Entschädigung zu finden. Aber all ihr Arbeiten und Mühen war umsonst, denn die Tür war verschwunden, und sie blieb es bis auf den heutigen Tag, so sehr auch manch durstige Seele danach gesucht hatte.


 
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