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Ein Knäblein stand Am Brunnenrand Und schaute munter Ins Wasser hinunter. Wie es nun da Tief unten sah Die goldene Sonne, Rief es voll Wonne: „Warte nur, wart! Hast ausgenarrt. Tatest immer blitzen, Wenn ich musst' sitzen Daheim und treiben Das Lesen und das Schreiben. Durft' ich hinaus Spät aus dem Haus, Um nach der vielen Arbeit zu spielen, So wurdest du bass Vor Neid ganz blass; Und spielt ich munter, Husch, gingst du unter. Eh' ich's gedacht, War's finstre Nacht. Die Lust war aus, Ich musst nach Haus. Nun hast du drunten Den Lohn gefunden. Ätsch! Steckst im Loch! Wie, lachst du noch? Verhöhnst du mich? Ich treffe dich!“ Sprach's das Knäblein Und wälzt einen Stein Mit seiner Hand Vom Brunnenrand. Pauz! Fiel der Stein Polternd hinein. „Ich will hoffen, Dass ich getroffen Die Sonne habe“, Sagte der Knabe Und sprang gewandt Auf den Brunnenrand Und schaute munter Ins Wasser hinunter. Da kam, o Graus! Der Nix heraus, Der schlummernd geruht In der Wasser flut, Rief grimmig „Du, Lass mir in Ruh Mein liebes Licht, Sonst, kleiner Wicht, Fass' ich dein Bein, Zieh' dich herein, Zieh' dich herab Ins nasse Grab!“ Er rief's und fasst In zorn'ger Hast Schon nach dem Bein. Da hub zu schrei'n Der kleine Mann Gewaltig an; Riss eilends aus Und lief nach Haus Und hielt gescheut Seit jener Zeit Sich immer gern Dem Brunnen fern.
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