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Von Nix, der den Knaben in den Brunnen hinab ziehen wollte Drucken E-Mail
Geschrieben von Sturm   
Ein Gedicht von
Sturm - Julius


Julius Sturm



Von Nix, der den Knaben
in den Brunnen hinab ziehen wollte

   
Sturm

Ein Knäblein stand
Am Brunnenrand
Und schaute munter
Ins Wasser hinunter.
Wie es nun da
Tief unten sah
Die goldene Sonne,
Rief es voll Wonne:
„Warte nur, wart!
Hast ausgenarrt.
Tatest immer blitzen,
Wenn ich musst' sitzen
Daheim und treiben
Das Lesen und das Schreiben.
Durft' ich hinaus
Spät aus dem Haus,
Um nach der vielen
Arbeit zu spielen,
So wurdest du bass
Vor Neid ganz blass;
Und spielt ich munter,
Husch, gingst du unter.
Eh' ich's gedacht,
War's finstre Nacht.
Die Lust war aus,
Ich musst nach Haus.
Nun hast du drunten
Den Lohn gefunden.
Ätsch! Steckst im Loch!
Wie, lachst du noch?
Verhöhnst du mich?
Ich treffe dich!“
Sprach's das Knäblein
Und wälzt einen Stein
Mit seiner Hand
Vom Brunnenrand.
Pauz! Fiel der Stein
Polternd hinein.
„Ich will hoffen,
Dass ich getroffen
Die Sonne habe“,
Sagte der Knabe
Und sprang gewandt
Auf den Brunnenrand
Und schaute munter
Ins Wasser hinunter.
Da kam, o Graus!
Der Nix heraus,
Der schlummernd geruht
In der Wasser flut,
Rief grimmig „Du,
Lass mir in Ruh
Mein liebes Licht,
Sonst, kleiner Wicht,
Fass' ich dein Bein,
Zieh' dich herein,
Zieh' dich herab
Ins nasse Grab!“
Er rief's und fasst
In zorn'ger Hast
Schon nach dem Bein.
Da hub zu schrei'n
Der kleine Mann
Gewaltig an;
Riss eilends aus
Und lief nach Haus
Und hielt gescheut
Seit jener Zeit
Sich immer gern
Dem Brunnen fern.

 

 
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