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Vom Bau der Burg Neuhaus Drucken E-Mail
Volkssagen, Mythen, Märchen und Legenden - Literatur aus Österreich

Vom Bau der Burg Neuhaus

   

Kunst und Kultur aus den vergangenen Jahrhunderten

Hart am Fuße des gewaltigen Grimmings erhebt sich auf steilem Felshügel das heutige schöne Schloss Trautenfels, ehemals Neuhaus genannt und als wahrhafte Burg schon im 13. Jahrhundert erwähnt. Vielleicht haben schon die Römer hier ein festes Kastell erbaut. Über die Entstehung der Burg Neuhaus berichtet die Sage wie folgt:

Als vor vielen Jahren die alte Feste gebaut wurde, mussten die leibeigenen Untertanen des Ritters, vornehmlich die armen Bauern, bei schwerster Arbeit, kargem Lohn und härtester Behandlung Stein auf Stein mühselig zum kühnen Bau zusammenfügen. Jahrelang dauerte der große Bau und damit auch die Not der schaffenden Werkleute. Als dann endlich die Burg fertig dastand, hofften die geschundenen Menschen auf entsprechende Entlohnung, die ihnen immer wieder versprochen wurde. Mit zufriedenen Blicken musterte der Bauherr das glücklich vollendete Werk, die stolze, talbeherrschende Burg Neuhaus auf steilem Felshügel.

Eines Tages ließ der Burgherr alle beim Bau beschäftigten Werkleute zusammenrufen, um, wie er verkündete, sie endlich für die geleisteten Arbeiten 'fürstlich' zu belohnen. Die Leute, freudig erregt, mussten nacheinander in gewissen Zeitabständen in einen finsteren unterirdischen Gang eintreten, um so in die verborgene Schatzkammer zu kommen, wo der Burgherr seinen Reichtum sicher verwahrt hatte. Hoffnungsvoll tasteten sich die Männer durch den finsteren Gang, um endlich den versprochenen Lohn für die jahrelange Schinderei in Empfang zu nehmen. - Am Ende des geheimen Ganges aber hatte der teuflische Ritter heimlich die 'Eiserne Jungfrau' eingebaut, eine schauerliche Hinrichtungsmaschine. Sie war ganz aus Eisen, hatte die Gestalt eines Weibes, war zum Öffnen eingerichtet, innen hohl und hier mit zahlreichen eisernen Stacheln gespickt. Die vordere Hälfte der Eisernen Jungfrau war für gewöhnlich offen, doch sobald ein Mensch in die Maschine gestellt wurde, schloss sie sich mit großer Gewalt, und die langen Eisenspieße drangen dem Unglücklichen von allen Seiten in den Körper ein, so dass er sofort tot war. Durch eine unterhalb angebrachte Falltür sauste dann der Körper in einen tiefen Abgrund. Dann öffnete sich wieder die Eiserne Jungfrau für das nächste Opfer. Ahnungslosbetraten die Werkleute nacheinander den finsteren Gang, doch keiner sah jemals wieder das Tageslicht.

So 'belohnte'der teuflische, grausame Burgherr aus Geiz und Habgier die jahrelange
Arbeit seiner leibeigenen Untertanen. Im Jahre 1669 wurde die alte Feste von einem Grafen Trauttmannsdorff abgetragen und an der gleichen Stelle das heutige herrliche Schloss erbaut.

 
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