Der Wolf
und der
Ochse als
Fabelwesen |
Ein Ochse fraß am Waldrand. Der Wolf kam zu ihm und sagte: „Hör mal, Ochse, ich werde dich fressen, willst du?“ Der Ochse sagte: „Weder du selber noch neunundneunzig andere
werden mir etwas antun können. Kommt dann, wenn ich meine Hütte fertiggebaut habe, um mit mir die Kraft zu messen.“ Der Wolf versprach es und lief diesmal davon. Der Ochse ging nun sofort daran, Bäume für die Hütte zu fällen.
Da kam eine alte Muttersau vorbei. Der Ochse sagte zu ihr: „Komm her, hilf mir, Balken zu schlagen für den Bau der Hütte, im Winter werde ich dich dann mit hereinnehmen!“
„Ich brauche deine Hütte nicht!“ antwortete die Sau. „Am Zaun, im Schutz einer Schneewehe habe ich es gut genug“, und lief weiter. Der Ochse musste wieder allein Balken schlagen.
Nach einiger Zeit kam ein Schafbock vorbei. Auch zu ihm sagte der Ochse: „Komm her, hilf mir, Balken zu schlagen, dann nehme ich dich im Herbst auch in meine Hütte und schütze dich vor der Kälte und vor dem Wolf.“ „Ich brauche deine Hütte nicht“, sagte der Schafbock, „im Dorfstall finde ich Schutz vor allem“, und lief seiner Wege.
Nach einiger Zeit kam eine Gans vorbei. Auch sie rief der Ochse zu Hilfe beim Bau der Hütte. Doch die Gans sagte, sie habe es auch im Teich gut genug. Und sie verschwand. - Der Ochse blieb wieder allein.
Schließlich kam ein Hahn. Auch ihn rief der Ochse zu Hilfe beim Hüttenbau. Der aber sagte, er habe es in jedem Strauch gut genug, und ging ebenfalls weg.
Der Ochse baute allein die Hütte fertig und richtete sich ein, darin zu wohnen. Als jedoch die Tage kälter wurden, war es die Sau, die zum Ochsen kam und ihn bat, sie in der Hütte aufzunehmen. Der Ochse aber entgegnete: „Du sagtest, du hättest es in einer Schneewehe gut. Was suchst du hier?“ „Gut“, sagte die Sau, „wenn du mich nicht nimmst, haue Ich dir die Wandstützen kaputt, und du bist ebenso wie ich dem Schnee preisgegeben.“ Es half dem Ochsen nichts, er nahm die Sau in seine Hütte.
Nach einiger Zeit kam der Schafbock und bat den Ochsen, ihn in die Hütte zu nehmen. Der Ochse erinnerte auch Ihn an seine Worte. Doch auch der Schafbock drohte, die Ecken der Hütte umzustoßen, sollte er nicht hereingelassen werden. Der Ochse ließ auch ihn hinein.
Nach einiger Zeit kam die Gans und bat den Ochsen, sie in die Hütte zu lassen. Der Ochse sprach zu ihr: „Du sagtest, dass du es im Teich gut hättest. Was suchst du jetzt hier?“ Nun wenn du mich nicht aufnimmst, picke ich das Moos aus den Wänden, und der Schnee kommt hinein. Du bist dann ebenso wie ich dem Schnee preisgegeben.“ „Also gut“, sagte der Ochse, „ich nehme dich bei mir auf.“
Schließlich kam der Hahn und bat, in die Hütte aufgenommen zu werden. Auch ihm wiederholte der Ochse seine eigenen Worte. „Nun, wenn du mich nicht nimmst, scharre ich das Dach herunter. Dann seid ihr alle ohne Schutz.“ Der Ochse nahm auch ihn herein.
In einer stürmischen Nacht klopfte jemand an die Tür ihrer Hütte. Der Ochse fragte: „Wer ist da?“ „Ich bin es, der Wolf selber“, sagte der Draußenstehende. „Wir sind gekommen, um dich zu fressen. Neunundneunzig andere sind auch hier. Komm heraus!“ Der Ochse öffnete die Tür und sagte: „Du bist der Anführer, unterhalten wir uns erst mal zu zweit ein wenig.“
Der Wolf sprang sofort hinein, und der Ochse schlug die Tür zu. Jetzt begannen alle, den Wolf zu verbleuen: der Ochse und der Schafbock mit den Hörnern, während ihn die Sau mit ihren Zähnen bearbeitete. Die Gans aber pickte ihm die Augen aus. Der Wolf konnte
nichts anderes tun als schrecklich zu heulen. Er wusste ja auch nicht, dass drinnen so viele waren, die ihm aufs Fell rücken konnten. Schließlich öffnete der Ochse die Tür der Hütte. Voller Angst und Schmerzen sprang der Wolf hinaus und sagte zu den anderen: „Was schaut ihr noch?! Seht zu, dass ihr fortkommt!“
„Was gibt es dort?“ fragten die anderen. „Fragt nicht“, sagte der Wolf. Jetzt aber rief der Hahn: „Wenn ich erst komme!“ Die anderen hörten das und liefen davon.
Weil aber die Sau und der Schafbock nicht geholfen haben, den Stall zu bauen, werden sie bis zum heutigen Tag vom Wolf gerissen, und die Gans und der Hahn haben auch keine richtige Bleibe.
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