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Suche nach Schlagwort : Märchengedicht, Gedichte für Kinder, Julius Sturm, Zauber, Magie, Märchen Gedicht


Mariechen und die Zwerge Drucken E-Mail
Geschrieben von Sturm   
Ein Gedicht aus: „Neue Märchen für die Jugend“
Sturm - Julius


Julius Sturm

Mariechen und die Zwerge

   
Sturm

Julius Sturm mit einem Gedicht für Kinder

Der Mond scheint hell ins Kämmerlein,
Lugt in Mariechens Bett hinein
Und spielt mit seinem Silberlicht
Ums kleine, holde Angesicht,
Bis dass Mariechen in der Nacht
Vom süßen Schlummer ist erwacht.
„Mir träumt, der Morgensonne Schein
Fiel Iustig schon ins Kämmerlein;
Nun seh' ich, dass du mich geweckt,
Sprich Mond, was hast du mich geneckt?“
Der Mond, den also sie gefragt,
Der hat kein einzig Wort gesagt
Und hat nur heller noch herein
Gelacht ins stille Kämmerlein.
Da raschelt unterm Bette was,
Mariechen denkt: Was ist wohl das?
Horch, wieder! Ei, was raschelt so?
Vielleicht ein Mäuslein in dem Stroh?
Und immer lauter wird 's umher
Dem Kinde banget immer mehr,
Es zieht die Decke übers Ohr.
Jetzt trappelt's unterm Bett hervor.
Mariechen lugt heraus und traut
Kaum ihren Augen, denn es schaut,
Beleuchtet von des Mondes Schein,
Viel Zwerge in dem Kämmerlein.
Und wie sie lachen, wispern, singen,
Sich kollern, tanzen, hüpfen, springen:
Da schiebt Marie zurück den Pfühl
Und schaut sich munter an das Spiel.
Auf einmal tritt ein kleiner Mann
Keck an Mariechens Bett heran,
Verneigt zierlich sich und spricht:
„Lieb Kindlein, fürchte dich doch nicht!
Dein'thalben wir gekommen sind,
Sollst du mit uns spielen, liebes Kind.“
Mariechen spricht: „Das kann nicht sein,
Ich komm nicht aus dem Bettelein.“
,,O, liebes Kind, wir tragen dich
Aus deinem Bettlein sänftiglich.“
Er spricht's, und eilig klimmt ein Chor
Von Zwergen an dem Bett empor.
Und oben neun und unten neun,
So tragen sie das Mägdelein,
Und tragen's samt dem weichen Pfühl
Sanft auf den Boden zu dem Spiel.
Nun spielen sie, nun kosen sie,
Nun tanzen, hüpfen, tosen sie.
Doch endlich hat's Mariechen satt
Und leget schläfrig, müd und matt
Vom wunderbaren nächt'gen Spiel
Ihr Köpflein auf den weichen Pfühl
Und schließt die blauen Äugelein zu
Und schläft bis früh in guter Ruh.
Wie nun der junge Morgen graut,
Erwacht die Mutter; wie sie schaut
Am Boden liegen still ihr Kind.
Da springt sie aus dem Bett geschwind,
Denkt: Ach! Es fiel zum Bett heraus
Und bricht in lautes Weinen aus.
Darüber ist das Kind erwacht
Und schaut die Mutter an und lacht:
,,O sag' mir, liebes Mütterlein,
Wo mögen nur die Zwerge sein,
Die heut mit mir die ganze Nacht
Gescherzt, geplaudert und gelacht?“
Die Mutter schnell den Schreck vergisst,
Weils Töchterlein so munter ist,
Und sagt: „Die Zwerge, liebes Kind,
Dir nur im Traum erschienen sind.“
Marie, das kleine Schelmgesicht
Schweigt stille, doch sie glaubt es nicht.

 

 
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