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Herder, Johann Gottfried PDF E-Mail

Name

 Johann Gottfried Herder

Biographisches

  • HerderJohann Gottfried Herder
Biographie - In den unteren Slides bzw. Reitern befinden sich die momentan auf GediKur publizierten Gedichte von Herder. Die Anzahl erfährt ständige Ergänzung

Gedichte

 



Johann Gottfried Herder

Alte ägyptische Philosophie

O schwarze Nacht, wer hat ihn, deinen Schleier,
Je aufgedeckt!
Du warst einst All; da kam ein Funke Feuer
Und hat den Weltschein aufgeweckt,
Der jetzt noch ist. In ew‘gem Wechselkreise
Mit Tag und Nacht
Rollt er hinweg! mir, bis ich meine Reise,
Die kurze Reise, bald vollbracht,
Dann geb ich euch, die ihr ihn gabet, wieder,
Nacht oder Licht!
Dem Weltgeist meinen Geist, und sinke nieder,
Sei ich dann, oder sei ich nicht!

 

 



Johann Gottfried Herder

Die Natur

Hast du, hast du nicht gesehn,
Wie sich alles drängt zum Leben?
Was nicht Baum kann werden,
Wird doch Blatt;
Was nicht Frucht kann werden,
Wird doch Keim.

Hast du, hast du nicht gesehn,
Wie von Leben alles voll ist?
Schon im Blatt des Baumes
Hoher Bau;
Schon im Keim der Früchte
Volle Kraft.

Reiche Fülle der Natur,
Labyrinth zu neuem Leben,
Kürzend tausend Wege
Tausendfach,
Überall belebend,
Allbelebt.

Lebend Weben der Natur,
Ew‘ger Frühling junger Keime:
Wenn sie mir verwelken,
Starben sie?
Sind sie, mir verschwunden,
Nirgend mehr?

Nein, ihr blühet, wo ihr seid,
Hingelangt auf kurzem Wege,
Ihr, der großen Mutter
Lieblinge;
Ihre zart‘sten Sprossen
Welken früh.

Selig, selig, wo ihr seid,
In des Ewgen Paradiese!
Hier am Lebensbaume
Blüten nur,
Dort am Lebensbaume
Früchte schon.

Mausoleum der Natur,
Wo der Tod zum Leben fördert!
Dieser Keim ward Pflanze,
Als er starb,
Jene Menschenpflanze
Genius.

Selig, selig, der ich bin
In der Welt voll Leben Gottes!
Meine Adern wallen
Seinen Strom,
Meine Seele trinket
Gottes Licht.

Empyreum der Natur,
Wo einst alles sich belebet!
Alle Kräfte Gottes
Feuerstrahl.
Alle Seelen Gottes
Lebenslicht.

 

 

 


Herder

Mein Schicksal

Meines Lebens verworrene
Schattenfabel ! 0 früh, frühe begann sie schon
Dunkel. Bebte den kommenden
Lebensflüchtling ein Schau'r hier auf die Wüste der
Erde, dass er in Wüste sich
Unterm Klange der Nacht inne ward, dass ihm Schau'r
Mächtig ewig ins lnnre klang!
Dass ihm Leben und Tod, Schlummer und Auferstehn,
Freud und Wonne des Lebens ihm,
Hoher Göttergedank und der zerfließenden
Seele Fülle wie Wandeltraum
Hindurchschwebet ! dass ihm seine Erlesenen
Stets im Wetter vorübergehn!
Stets aus dunkelem Gewölk Blitze, die weckenden
Väterstimmen, ihm mitternachts
Kommen, reden und hinwandeln in Mitternachts-
Dunkel, und er wandelt allein! -
Schicksalsschwestern, warum, die ihr sein Tagelos
Warfet, warfet ihr's unhold stets
lrrhinüber, wohin nimmer das Götterbild
Seines leitenden Dämons wies?
lrrhinüber, wohin aller erstrebenden
Ahndung Kräfte nicht ahndeten?-
Ach, da weben sie nun meiner erzogenen
Hoffnung Blüte! da weben sie
Einsam, Waisen, wie Wurf nächtlich erstarreter
Frühlingsblätter ! da flatterst du,
Schattenfabel, zerstückt, szenezerrissen, Wurf
Dort und hinnen verlorner Zeit!
Schicksalsschwestern, 0 wie? Sammeln sie, sammeln sich
Dem ermatteten Lebensblick
Einst die Szenen? ersieht er in den wehenden
Blättern je der Vorsehung Buch?
Je einst Ernte der Saat: jener verflogenen
Erdbegrabnen, gemoderten
Keime Frühling? und rauscht Ährengefild hinab,
Rauscht durch früchtebelastete
Zweige, siehet erstaunt sich die verworrene
Schattenfabel zum Prachttriumph
Sammeln, siehet erstaunt Krümmen und Missgestalt
Sich zur Schöne des Ganzen ziehn! -
Matter Wandrer, wohlan! wie die verworrene
Schattenfabel auch enden mag - -!

 

  • Johann Gottfried HerderJohann Gottfried Herder
 


Herder

Eroberungssucht

Weh euch, ihr Prinzen, die für Ruhm
Der Völker Blut vergossen,
Für deren Macht und Eigentum
So bittre Tränen flossen,
Die ihr doch, was ihr habt, nicht nützt
Und nicht genießt, was ihr besitzt,
Die ihr um Wahn nur fechtet
Und um Phantome rechtet!
Die Tränen sind ein bittrer Trank,
Ein Kelch, für euch zu leeren.
Des Ruhmes heisrer Lobgesang
Wird sich in Fluch verkehren,
Wenn um die euch gegrabne Gruft
Nun jeder Seufzer Rache ruft,
Wenn eure Kinder müssen,
Was ihr verschuldet, büßen!

 

 


Herder

Der Edelste


Ein böses Heldentum, wenn gegen Mensch
Der Mensch zu Felde zieht. Er dürstet nicht
Nach seinem Blut, das er nicht trinken kann:
Er will sein Fleisch nicht essen; aber ihn
Zerhaun, zerhacken will er, töten ihn! -
Aus Rache? Nicht aus Rache; denn er kennt
Den andern nicht und liebet ihn vielleicht.

Auch nicht sein Vaterland zu retten, zog
Er fernen Landes her. Ein Machtgebot
Hat ihn hierher geführet; roher Sinn,
Die Raubsucht, sucht nach höhrer Sklaverei.
Von Wein und Branntwein glühend, schießt er, sticht
Und haut und mordet - weiß nicht weh?
Warum? wozu? bis beide Helden dann
Verbannt ins Schloß der Unbarmherzigkeit,
Ein Krankenhaus, mit andern Hunderten
Daliegen ächzend und, sobald den Krieg
Not und der Hunger endet, alle dann
Als Mörder-Krüppel durch die Straßen ziehn
Und betteln. Ach, sie mordeten um Sold,
Gedungne Helden aus Tradition.

Ein edler Held ist, der fürs Vaterland,
Ein edlerer, der für des Landes Wohl,
Der edelste, der für die Menschheit kämpft.
Ein Hohepriester, trug er ihr Geschick
In seinem Herzen und der Wahrheit Schild
Auf seiner Brust. Er steht im Felde. Feind
Des Aberglaubens und der Üppigkeit,
Des Irrtums und der Schmeicheleien Feind,
Und fällt, der höchsten Majestät getreu,
Dem redlichen Gewissen, das ihm sagt:
Er suchte nicht und floh nicht seinen Tod.

 

 


Herder

Das Lied des Lebens

 

Flüchtiger als Wind und Welle
Flieht die Zeit, was hält sie auf?
Sie genießen auf der Stelle,
Sie ergreifen schnell im Lauf:
Das, ihr Brüder, hält ihr Schweben,
Hält die Flucht der Tage ein,
Schneller Gang ist unser Leben,
Lasst uns Rosen auf ihn streun!

Rosen, denn die Tage sinken
In des Winters Nebelmeer;
Rosen, denn sie blühn und blinken
Links und rechts noch um uns her.
Rosen stehn auf jedem Zweige
Jeder schönen Jugendtat.
Wohl ihm, der bis auf die Neige
Rein gelebt sein Leben hat.

Tage, werdet uns zum Kranze,
Der des Greises Schlaf umzieht
Und um sie in frischem Glanze
Wie ein Traum der Jugend blüht!
Auch die dunkeln Blumen kühlen
Uns mit Ruhe, doppelt süß;
Und die lauen Lüfte spielen
Freundlich uns ins Paradies.

 

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