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Der Igel und der Fuchs fielen in eine Wolfsgrube. Schon nach ein paar Tagen begann sie der leere Magen zu plagen. Am dritten Tag sagte der Fuchs: „Es hilft nichts, alter Freund, die Not treibt den Ochsen in den Brunnen und der Hunger mich jetzt auf dich los; ich werde dich fressen!“ Der Igel aber dachte bei sich: Wo die Kraft nicht ausreicht, muss guter Rat helfen. Er entgegnete dem Fuchs: „Es ist besser, zu zweit Hunger zu leiden, als allein gefangen zu sitzen. Außerdem rettet mein Tod dein Leben nicht. Ich weiß einen ganz anderen Rat. Wir können uns noch beide vom Tod erretten! Doch mit einem so Hungrigen, wie du es bist, lohnt es sich wohl nicht erst zu reden!“ „Guter Rat ist immer etwas wert“, entgegnete der Fuchs, „insbesondere, wenn der Tod vor dem Maul lauert. Sprich nur, sprich! Ich schwöre dir ewige Treue und Freundschaft. Auch in jeder Not will ich dir ein Helfer sein, und mein Geschlecht soll lobend von dir reden. Sprich!“ „Den Mann beim Wort, den Ochsen bei den Hörnern“, antwortete der Igel, „im Glauben an deinen Schwur will ich dir meinen Rat mitteilen. Schau mal, wenn der Jäger kommt, stellen wir uns beide tot, denn kein Mensch wird doch so dumm sein, Tote noch zu töten. Sind wir erst aus der Grube, dann ... „ „Verstehe schon“, entgegnete der Fuchs, „dann laufen wir in den Wald!“
Bald darauf kam der Jäger zur Grube. Er schaute hinein und sagte: „Ein Fuchs – tot.“ Er kletterte auf einem ästereichen Baumstamm in die Grube. „Hart wie ein Knochen“, sprach er weiter, „auch das arme Igelchen krepiert, aus dir wird nichts“ und warf beide an den Beinen aus der Grube hinaus. Während der Jäger selbst herauskletterte, waren beide Tiere ihre eigenen Wege gegangen. Der Jäger spie aus und ging nach Hause.
Nachher geriet der Igel mehrmals durch Hirtenhunde und mutwillige Hirten in Bedrängnis, doch der Fuchs dachte überhaupt nicht mehr an seine Versprechungen und Schwüre. Als dann noch der Fuchs ihm heimlich die Kinder aus dem Nest stahl, sann der Igel auf Rache.
Eines Tages fand er eine Fuchsfalle. Warte nur, dachte er, jetzt ist die Zeit heran! Wie rein zufällig begegnete er dem Fuchs. Nach der Begrüßung sprachen sie vom Wetter und von den schlechten Zeiten; schließlich kam die Rede auf die Tätigkeit und die Wanderungen eines jeden. „Meine Beine reichen wohl nicht weit, doch gestern abend fand ich eine feine Flöte“, reizte der Igel, „wenn man einen Ton bläst, klingen gleich alle Töne! Ich spielte auf ihr in der vergangenen Nacht.“
Hier wollte er das Gespräch wieder in andere Bahnen lenken, doch der Fuchs verlangte, er solle ihm diese Flöte auch zeigen. Nach langem Bitten brachte der Igel den Fuchs zu der erwähnten Flöte. „Schau“, sagte er, „wenn du auf diesen Ton drückst, klingen alle Töne.“ „Warte! Ich spiele jetzt!“ drängte der Fuchs. Doch kaum hatte er mit seiner Pfote den Tritt der Falle berührt, - bauz - schnappte die Falle zu, und der Fuchs saß mit der Pfote fest.
Ob es dem Fuchs noch gelungen ist, sich zu retten, davon berichtet die alte Geschichte nichts. Doch so viel ist bekannt, dass es zwischen dem Fuchs und dem Igel keine große Freundschaft mehr gibt.
Auch ein Sprichwort bewahrheitet sich hierbei: Gute Tat wird in den Sand geschrieben, böse Tat in den Lehm.
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