Suche nach Schlagwort : Fabel, Literatur, für Kinder, Märchen, kurze Geschichte, Wolf
Ein Märchen für große und kleine Kinder zum Thema:
Einst gingen der Fuchs und der Wolf durch den Wald und fanden auf einer erdigen Feuerstelle einen Mistkäfer. Der Fuchs sagte zum Wolf,er solle ihn kosten, ob er gut schmeckt. Der Wolf kostete auch und lobte, er sei schmackhaft und knusprig, und der Fuchs solle ihn aufessen. Der Fuchs wehrte ab: „Ich überlasse ihn gern dir.“ Und der Wolf aß ihn mit Vergnügen auf. Dann gingen sie weiter durch den Wald. Sie kamen zu einem Heuschober, und davor stand das Essen der Schnitter. Der Fuchs sagte, jetzt sei er mit dem Prüfen an der Reihe. Er kostete, spuckte jedoch den ersten Bissen aus und sagte: „Oh, Bruder, es ist gar zu schlecht und bitter, es taugt überhaupt nichts.“ Der Wolf sagte: „Lass mich auch mal kosten!“ Doch der Fuchs verbot es ihm: „Das Zeug, Bruder, solltest du nicht einmal in den Mund nehmen, es ist schlecht und bitter. Doch ich bin fast am Verhungern, irgendwie werde ich es schon hinunterkriegen.“
So aß der Fuchs alles allein auf, und der Wolf bekam keinen Bissen davon. Dann gingen sie wieder weiter. Sie kamen zu einer Tenne, wo das Korn zum Dreschen aufgesteckt war. Der Fuchs sagte: „Das Korn, Bruder, müssten wir uns dreschen, dann hätten wir auch einen Wintervorrat wie die Menschen.“ Der Wolf war damit einverstanden, und sie begannen das Korn zu dreschen. Der Fuchs ging hinaus auf die Tennenbalken und begann von dorther das Korn hinunterzuwerfen. Er warf alles auf den Boden und blieb dann selbst oben, saß auf dem Balken und schaute zu, wie der Wolf unten das Korn drosch, dass es nur so stiebte. Schließlich aber wurde der Wolf müde. „Ho, ho, zum Teufel“, rief der Wolf dem Fuchs zu, „wie lange soll ich hier noch allein dreschen! Was hockst du dort oben auf den Balken und kommst nicht herunter. Ich kann schon nicht mehr!“
Doch der Fuchs blieb ganz still auf den Balken sitzen und sagte nur zum Wolf: „Schau, lieber Bruder, ich schütze hier oben dein Leben und darf mich nicht mal bewegen; ich halte die Balken fest, sonst würden sie dir auf den Kopf fallen und dich erschlagen.“ Als der Wolf das hörte, erschrak er und sagte: „Gut, gut, bleibe auf den Balken und halte sie fest. Ich werde schon allein das Korn dreschen, wenn ich nur am Leben bleibe.“ Und der Wolf drosch allein das Korn und war bald nass wie aus dem Wasser gezogen - er tropfte nur so. Der Fuchs aber lag immer noch bäuchlings auf den Balken.
Später, als das Korn zusammengeschaufelt war, rief der Wolf: „Du kannst jetzt herunterkommen und die Balken loslassen; das Korn ist zusammengeschaufelt - fangen wir an, es zu reinigen.“ So reinigten sie beide zusammen das Korn. Alle Körner wurden sauber, und dann begannen sie zu teilen. Der Fuchs sagte: „Du, Bruder, hast beim Dreschen doch etwas mehr Mühe gehabt als ich beim Festhalten der Balken. Du musst auch den größeren Haufen bekommen, und mir soll der kleinere bleiben.“ Der Wolf war damit zufrieden. Er nahm sich den großen Spreu- und Strohhaufen und ließ dem Fuchs den kleinen Körnerhaufen.
Der Fuchs backte sich aus den Körnern ein Brot wie einen Hauskäse, doch das Brot des Wolfes, das aus Stroh war, hielt auf keine Weise zusammen. Einmal fragte der Wolf den Fuchs: „Bruder, warum ist dein Brot so fest?“ Da sagte der Fuchs: „Was ist daran zu ändern, Bruder? Du hast beim Dreschen mehr Mühe gehabt, und dein Brot ist dafür schön weich, aber ich muss beim Essen meines Brotes mehr Mühe haben als beim Dreschen. - Ich kann es kaum beißen.“
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