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Die Tobelhocker, die Seelen der Angeber in den zahllosen Hexenprozessen von Vaduz am Oberrhein, müssen im Lavenatobel um den riesigen Steintisch hocken und die Qualen der Verbrannten leiden. Und diese Sage ist lebendig geblieben in den Tälern des Falknis, des Triesenberges und der Drei Schwestern - noch heute gespenstern dort die Tobelhocker, und ihre Familien leiden schwer unter dem Fluch, der seit Jahrhunderten auf ihnen lastet. Da, wo der Naafkopf das tannengrüne Saminatal und seine Seitentäler Valorsch und Malbun abschließt, hausen die Geister des Hochgebirges. Die Hexen sammeln sich auf dem Hahnenspiel und buhlen mit dem Bösen, der Wilde Keres fährt durch die Wälder des Samina ob Sücca und schreckt in schlimmen Wettern Menschen und Vieh, der Schrättlig schleicht in die Holzhütten und setzt sich als schwerer Alb dem Schlafenden auf die Brust; nur die Wildmännlein sind dem Bauern günstig gesinnt und behüten ihm Haus und Vieh. Am schauerlichsten ist es aber am wilden Lavenatobel, wenn die Tobelhocker ihre herzzerreißenden Klagen emporsenden und um Erlösung flehen - und niemand kann und will ihnen helfen, denn ihre Schuld schreit zum Himmel.
Eben jetzt [um 1908] werden bei Wiederherstellung der Feste Hohenlichtenstein über Vaduz die unterirdischen Verliese wieder bloßgelegt, in denen die zahllosen Opfer des Hexenwahnes, Männer, Frauen und Kinder, schmachten und unter grässlichen Foltern ihren Bund mit dem Teufel bekannten. Im Jahre 1648 wurden vierzehn, im darauffolgenden einhundertsechzehn Hexen und Zauberer auf dem Markt in Vaduz dem Flammentod überantwortet. Kein Geschlecht, kein Alter, kein Stand war vor den Angebern sicher, in blinder Wut zerfleischte sich das Volk, das eben erst unter der Geißel des Krieges so schwer gelitten hatte. Da hatte der Pfarrer Valentin von Kriß zu Triesen den Mut, in überzeugender Rede den Verblendeten die Augen zu öffnen, und nun richtete sich plötzlich der Hass des Volkes gegen seine Angeber und ächtete sie und ihre Familien. Ihre Seelen wurden in die wilde Lavenaschlucht gebannt, wo sie nun als Tobelhocker alle Qualen ihrer Opfer erdulden mussten. Und den Angehörigen dieser Familien blieb der Makel, und die Jahrhunderte vermochten nicht, ihn zu tilgen. Noch bis zum heutigen Tage haftet er ihnen an; noch heute heißen sie Tobelhocker, und die Acht ist nicht von ihnen genommen. Manche ertrugen den Druck nicht und wanderten aus; andere trotzten ihm und blieben auf der heimischen Scholle; aber höchst selten kommt es vor, dass ein Bursche oder ein Mädchen in eine Tobelhockerfamilie hineinheiratet, denn der Fluch haftet dann auch ihnen an.
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