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Im Frühjahr kam ein Wolf auf die Weide, fand einen kleinen jungen Schafbock, der von den anderen Schafen auf einem Berghügel zurückgelassen worden war, und wollte ihn reißen und fressen. Der Schafbock fing an zu bitten: „Lass mich noch leben, ich bin noch jung und habe noch nicht die Süße des Daseins geschmeckt! Lass mich noch diesen Sommer herumspringen, ich werde auch wachsen und mehr Fleisch ansetzen. Im Herbst will ich am festgesetzten Tag wieder hierherkommen; dann kannst du mit mir tun, was du willst.“ Der Wolf überlegte und sagte dann: „Es sei so! Wenn du aber dein Versprechen nicht hältst, werde ich dir deine Lüge böse heimzahlen.“
Der kleine Schafbock sprang fröhlich umher, fraß in Gesellschaft der anderen Gras, wuchs und gedieh bis zum Herbst zu einem großen Schafbock. Gleichzeitig aber erhoben sich auf seinem Kopf wie Waffen gewundene Hörner, so wie es in einem alten Sprichwort heißt: „Wächst der Hund, so wachsen bei ihm auch die Zähne.“ Dieses Wort trifft hier auch für den Schafbock und seine Hörner zu.
Der festgesetzte Herbsttag kam. Der Schafbock und der Wolf standen beide an derselben Stelle wie im Frühjahr auf dem Berghügel. „Ehrlicher Wolfspappi“, begann der Schafbock, „siehst du jetzt, dass das Geschlecht der Schafe immer Wort hält? Auch dann, wenn das eigene Fleisch für eure unersättliche Gier als Speise dienen soll? Damit du es leichter hast, zu reißen und ich weniger leide, gehe hinunter an den Fuß des Hügels und halte das Maul offen. Ich laufe dir selbst ins Maul hinein.“ Der Wolf hielt diesen Vorschlag für gut und ging. Er sperrte das Maul auf und wartete, dass ihm das Stück Fleisch ins Maul falle. Der Schafbock trat einige Schritte zurück, und dann - eins, zwei, drei, rums! - waren die Kiefer des Wolfes durch die Hörner des Schafbockes zerrissen.
(Man sieht, dass die Wölfe bis zum heutigen Tage den Schafen gram sind. Möglich, dass sie ihr Leid und ihre Wut durch das Fleisch der Schafe zu besänftigen suchen.)
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