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Suche nach Schlagwort : Fabel, Literatur, für Kinder, Märchen, kurze Geschichte, Wolf


Der alte Hund und der Wolf Drucken E-Mail
Märchen aus Estland


Der alte Hund und der Wolf

   
 

Es lebten einmal ein Bauer und eine Bäuerin. Sie hatten einen alten Hund, der Soobol hieß. Soobol war schon alt und konnte nicht einmal mehr bellen. Die Bäuerin wollte den Hund nicht unnütz ernähren und trachtete ihn loszuwerden.

Eines Tages befahl die Bäuerin, Soobol zu töten. Der Bauer hatte Mitleid mit seinem Hund und wollte ihn nicht umbringen. Doch die Frau ließ ihm keine Ruhe, er musste den Hund abschaffen. Der Bauer hatte keine andere Wahl und legte Soobol einen Strick um den
Hals, brachte ihn in den Wald, band ihn dort an einen Baum und ging selbst nach Hause.
Soobol saß und saß unter dem Baum und überlegte, wie er loskommen könnte. Bald fand ein Wolf seine Fährte, kam zu ihm und sagte: „Guten Tag, Vetter, was suchst du hier? Ich werde dich fressen.“
„Nichts suche ich hier. Man hat mich hierher gebracht, mich an den Baum gebunden, und ich kann gar nichts tun.“
Der Wolf wollte schon anfangen, Soobol zu fressen, aber der bat ihn inständig, es noch nicht zu tun, und sagte: „Was willst du mich so ganz ohne Verstand fressen, ich bin doch sehr mager. Mach mich erst mal richtig kräftig und friss mich dann auf!“
Der Wolf hörte auf den Hund und fragte: „Was soll ich dir bringen, damit du kräftig wirst?“
Der Hund sagte: „Bringe mir ein halbes Pferd und komm dann in einer Woche nach mir schauen.“

Der Wolf gehorchte und ging auf die Suche nach einem Pferd. In der Nacht kamen Nachthüter in den Wald, um Pferde zu weiden. Der Wolf schlich vorsichtig an ein Pferd heran und tötete es. Erst schlug er seinen eigenen Bauch schön voll, dann brachte er den Rest dem Hund unter dem Baum und ging selbst davon.

In der folgenden Woche kam der Wolf wieder und fragte: „Bist du schon kräftig geworden?“
„Ach, Vetter, ich habe wohl zugenommen, doch wenn du mir noch ein Kalb bringen würdest und eine Wocher später zurückkämest, dann sähe die Sache schon anders aus, und mein Fleisch würde viel schmackhafter sein als jetzt.“
Der Wolf hörte auch darauf und ging ein Kalb suchen. Mit großer Mühe gelang es ihm, irgendwo ein Kalb aufzutreiben. Er brachte es Soobol und befahl ihm, bis zur nächsten Woche kräftig zu werden. Soobol sagte: „Ich werde es schon“, und der Wolf ging seiner Wege. Der Hund Soobol aber machte sich an das Kalb, fraß es auf und ruhte sich dann aus.

Die Woche verging, und der Wolf kam wieder zu seinem Vetter und fragte: „Bist du jetzt schon kräftig geworden?“ Soobol sagte: „Kräftig bin ich schon geworden, doch ich habe den Geruch eines alten Hundes an mir. Wenn du mir noch einen Hammel bringen würdest, dann würde das Fleisch viel besser werden.“ Der Wolf hörte wieder auf Soobol und ging einen Hammel suchen. Er suchte und suchte, schließlich fand er in einer Herde einen guten Hammel, brachte ihn Soobol und versprach ihm, in einer Woche wiederzukommen. Der Hund fraß den Hammel ganz und gar auf und wurde kräftig wie ein Ochse.

Nach einer Woche kam der Wolf und fragte: „Was ist, ich komme, um dich zu fressen!“
Soobol sagte: „Du kannst mich wohl fressen, aber einen Nutzen hättest du nicht davon. Besser, du bindest mich vom Baum los, und wir gehen dann ins Dorf, dort werde ich für dich schon sorgen.“ Soobol versprach ihm, süßes Essen zu bringen, und legte dem Wolf
seinen Plan dar: „Ich gehe aufs Feld, wo die Bäuerin Roggen schneidet. Sie wird ihr Kind in der Wiege bei sich haben. Schnapp dir das Kind aus der Wiege und laufe zum Wald, ich aber laufe hinter dir her und dann lässt du mich das Kind wieder wegnehmen. Darüber wird sich die Bäuerin sehr freuen, sie wird mich pflegen und mir gutes Essen geben; ich werde selbst fressen und auch dir noch reichlich übriglassen.“
Der Wolf war damit einverstanden, und sie gingen aufs Feld. Der Wolf schlich sich durch den Roggen leise ans Kind heran, packte es mit dem Maul und lief zum Wald. Vor Schreck fing das Kind an zu schreien. Auch die Mutter erschrak über den Wolf und schrie aus
Leibeskräften: „Dörfler, Beerensammler, kommt zu Hilfe, der Wolf bringt mein Kind fort!“
Jetzt sprang auch Soobol aus dem Roggen hervor und lief dem Wolf hinterher. Und schon nach kurzer Zeit trabte er mit dem Kind zu seiner Bäuerin zurück. Die Bäuerin freute sich sehr, doch gleichzeitig schämte sie sich vor ihrem alten Hund, weil sie befohlen hatte, Soobol zu töten, und ihm kein Fressen geben wollte. Jetzt aber rettete Soobol ihr Kind. Soobol kam zur Bäuerin und legte das Kind auf eine Garbe nieder. Nun suchte die Bäuerin den ganzen Kinderbrei und auch die besten Stücke von ihrem Essen zusammen und gab alles Soobol. Der fraß einen Teil auf, ließ aber den anderen für seinen Vetter oder Gevatter
zurück. Der Wolf fraß das Essen mit ebenso gutem Appetit auf, und die Speisen schmeckten ihm sehr. Die Bäuerin rief Soobol nach Hause, versprach ihm rote Schuhe
zu nähen und ihn bis ans Lebensende zu füttern. Soobol verstand alles, was die Bäuerin wollte oder sagte, und ging mit ihr nach Hause.

Bevor er sich jedoch auf den Nachhauseweg machte, ging er zum Wolf und sagte: „Bei uns zu Hause wird bald Taufe sein, es werden viele Menschen zusammenkommen, dann rufe ich dich auch zu uns.“ Der Wolf bedankte sich für die Einladung und versprach zu
kommen.

Am Sonntag war dann die Taufe. Soobol lief in den Wald, suchte den Wolf auf und lud ihn ein, zur Taufe zu kommen. Der Wolf kam mit. Beide begannen umherzuschleichen und sich umzuschauen, wie sie ins Dorf kommen könnten. Gegen Abend wurde es dunkel, und die Verwandten waren noch draußen und warteten auf andere Gäste. Um diese Zeit schlichen sich Soobol und der Wolf leise durch den Viehhof in die Stube hinein und legten sich gleich unter den Ofen. Jetzt belehrte Soobol den Wolf: „Fang bloß nicht an zu singen
und komm hier nicht hervor, sonst wird man dich töten.“ Der Wolf versprach es, und Soobol ging, um für seinen Gast etwas Essbares zu besorgen. Auf der Bank lagen Pasteten, Fleisch und andere Speisen, davon brachte er dem Wolf unter dem Ofen. Im Schrank auf dem Regal stand Wein, roter und weißer. Auch davon brachte Soobol seinem Gast und legte sich selbst unter den Ofen. Der Wolf war guter Laune, aß und trank. Erst nahm er einen Schluck, dann einen zweiten und dann einen dritten. Der Wein war stark und stieg zu Kopf. Der Wolf wurde zusehends lustiger, er begann immer lauter zu sprechen und ein Lied zu gröhlen. Soobol sagte: „Sing nicht, sonst werden sie uns hier finden und dir den Garaus machen.“ Der Wolf beruhigte sich daraufhin und machte sich wieder daran, zu essen und roten Wein zu trinken. Er nahm einen Schluck, nahm einen zweiten und auch einen dritten. Nun wurde er noch lustiger und sangesfreudiger, und bald stand ihm das Maul nicht mehr still. Soobol versuchte, den Wolf zurückzuhalten, und bat ihn, still zu sein, doch der Wolf hörte nicht mehr auf den Hund. Er drehte sich von der einen Seite auf die andere, und der Raum unter dem Ofen wurde ihm bald zu eng. Der Wolf stellte sich auf die Beine, kam unter dem Ofen hervor und begann in der Stube herumzutanzen. Er tanzte und sang, tanzte und sang so lange, bis die Menschen in die Stube hereinkamen. Jetzt ergriff jeder, was er zu greifen bekam, und sie gingen auf den Isegrim los, um ihn hinauszuprügeln. Der Wolf erschrak und flüchtete in den Vorraum. Doch dort standen noch mehr Menschen und noch mehr Schläger. Soobol sah, dass der Wolf in Not war, sprang ihm auf den Rücken und fing an, ihm ein wenig den Pelz zu zausen. Die anderen dachten, dass Soobol ihm richtig das Fell zerrupft, denn er saß auf seinem Rücken. So konnte keiner mehr an den Wolf heran, und den Hund wollte niemand treffen. Auf diese Weise gelangte der Wolf aus dem Haus und aus dem Dorf hinaus und lief mit Soobol in den Wald. Hier bedankte sich der Wolf bei Soobol für die Bewirtung und noch mehr dafür, dass er ihn nicht schlagen ließ.

Der Wolf war guter Laune, er tanzte und sang am Waldrand. Der Hund, also Soobol, sagte zu ihm: „Wenn du solche Schuhe hättest wie ich, würdest du noch viel besser tanzen als jetzt und auch viel stolzer ausschauen.“ Der Wolf betrachtete Soobols rote Schuhe, die die Hausfrau für die Rettung des Kindes gegeben hatte, und sie gefielen Ihm sehr. Er fragte: „Was willst du für diese Schuhe haben? Verkauf sie mir!“ Soobol sagte: „Hole das Material zusammen, dann lasse Ich dir welche nähen, und du brauchst mir gar nichts zu bezahlen.“
„Was muss ich denn bringen, damit ich Schuhe bekomme?“ fragte der Wolf.
„Vor allem ist dafür eine Ochsenhaut nötig, später werden wir sehen, was noch fehlt“, sagte der Hund. Der Wolf war damit zufrieden und dachte nach, wo er die Ochsenhaut
herbekommen sollte. Er lief in den Wald und versprach dem Hund am nächsten Tag die Ochsenhaut zu bringen.

Am Tag darauf schleppte der Wolf tatsächlich einen ganzen Ochsen an und fragte Soobol: „Ist er gut, und werde Ich daraus Stiefel bekommen?“ Soobol sagte: „Die bekommst du wohl“, und er forderte Ihn auf, in einer Woche nach den Stiefeln zu kommen. Jetzt hatte Soobol ein gutes Leben, er konnte Fleisch fressen, soviel er wollte . Nach einer Woche kam der Wolf, um seine Stiefel abzuholen, aber Soobol sagte: „Du musst mir noch ein Schwein bringen, denn es ist kein Nähzeug da, und vom Schwein bekommt man Borsten.“

Der Wolf war wieder einverstanden und ging ein Schwein suchen. Am nächsten Tag fand er auch ein Schwein, brachte es dem Hund und fragte: „Werden sie jetzt fertig?“ „Wahrscheinlich werden sie fertig!“ sagte Soobol und bestellte den Wolf für die nächste Woche. Auf diese Weise hatte Soobol wieder für einige Tage zu fressen und konnte feiern.
Nach einer Woche kam der Wolf nach seinen Stiefeln. Doch der Hund sagte: „Fertig sind sie schon, aber es fehlt noch die Farbe, um sie rot zu färben. Geh und such einen fetten Hammel, dann lassen wir das Blut heraus und färben die Stiefel.“

Was sollte der Wolf tun, er brachte auch einen Hammel. Nun hatte der Hund von einem Kind seiner Bäuerin ein Paar Schuhe gestohlen, sie gefärbt und dem Wolf gegeben. Der Wolf zog sie an und trug sie, bis sie zerfielen.

Von da an blieb der Wolf ohne Stiefel, und auch seine ganze Sippe trägt keine Stiefel.

 

 
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