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Der Soldat freit eine Königstochter Drucken E-Mail
Maerchen und Sagen - Märchen

Der Soldat freit eine Königstochter


In einer großen und siegreichen Schlacht war ein Soldat mit seinem Truppenteil kämpfend tief in das Feindesland eingedrungen, um zu zerstören und zu rächen. Als alles getan war, kehrte die ganze Armee mit der Kriegsbeute in die Heimat zurück. Aber jener Soldat schlief fest und träumte noch, als die anderen schon längst auf dem Heimweg waren.

Endlich wird er wach und sieht sich allein im fremden Land; er überlegt schnell und macht sich dann ebenfalls auf den Heimweg. Doch nach drei Tagen Wanderung kommt er an eine Stelle, wo drei Wege abzweigen. An jedem Weg steht ein Pfosten mit einer Aufschrift. Auf dem ersten Pfosten steht: „Wer diesen Weg geht, wird im Feuer verbrennen.“ Auf dem anderen: „Wer diesen Weg geht, wird im Wasser ertrinken.“ Auf dem dritten steht: „Wer hier entlanggeht, wird durch das Schwert getötet.“ Da glaubt der Mann mit seinem Verstand zu Ende zu sein, nun ist guter Rat teuer - es sind alles schreckliche Tode! Schließlich kommt er zu sich: Sei tapfer, das Schwert hat uns zu großem Sieg geführt, es ist daher kein Wunder, wenn ich den Weg des Schwerttodes wähle. Und das tat er auch.

Also schritt er tapfer vorwärts auf dem Weg des Schwerttodes, bis er die Türme einer großen Stadt erblickte. Doch alles ist ihm hier fremd und unbekannt! Er beginnt bei den Leuten nach dem Namen der Stadt zu forschen und erfährt, es sei die Hauptstadt eines großen Königreiches.

Nachdem sich der Soldat einige Zeit in der Stadt aufgehalten hatte, schmolz sein Geld immer mehr zusammen, und darum erkundigte er sich bei den Einwohnern, wo er einen passenden Dienst finden könnte. Nun wurde dem Soldaten berichtet, dass er beim König einen Posten erhalten könnte, der königlich bezahlt würde, wenn er das Verlangte zu vollbringen vermochte. Der Soldat begab sich also zum König, um zu erfahren, welcher Art die Stellung sei. Und der König berichtete ihm: „Meine einzige Tochter hat in der ganzen Welt bekanntgegeben; es sollen Königssöhne und andere mutige Männer kommen, um im Laufe einer Nacht meinen Weg zu bewachen und um festzustellen, wohin ich gehe. Wem das gelingt, der wird mich zur Frau bekommen. Wer es aber nicht oder nur zur Hälfte vollbringt, lässt seinen Kopf auf dem Stadtwall unseres Königs zur Abschreckung für noch andere mutige Narren, von denen man dort schon viele sehen kann.“ Der König spricht dann weiter und warnt den Soldaten, diesen Versuch zu unternehmen. Der mutige Kriegsmann jedoch bleibt bei seiner Bitte und bietet sich für den Dienst an. Da sich der Soldat gar nicht mehr davon abbringen lässt, sagt ihm der König, er soll am Abend zum Dienst kommen. Der Soldat geht zufrieden weg und denkt: Heissa, der angenehmste Dienst der Welt! Als Bezahlung ein Reich und eine Königstochter! Mir ist das Wachestehen natürlich bekannter als den Narren von Königssöhnen, deren Köpfe dort zum Trocknen ausgestellt sind.

Der Abend kam, und der Soldat ging zum Dienst. Der König zeigte ihm den Ort der Wache: „Stehe hier vor dem Schlafzimmer der Königstochter und berichte mir morgen früh über den nächtlichen Weg meiner Tochter, denn in diesem Haus ist das die einzige Tür. Nun gute Nacht und viel Glück!“ Freudig vollführt der Soldat mit dem Gewehr, das ihm der König gegeben hatte, seine Wach- und Kriegskünste, bis alles still wird und die Lichter verlöschen. Jetzt kommt die Königstochter zum ersten Mal zum Vorschein, betrachtet ihren Wächter von Kopf bis Fuß und sagt: „Oh, du hast es aber recht schwer, hier in der Kälte die ganze lange Nacht zu wachen. Ich werde dir ein Glas Medizin gegen die Kälte geben, die ist immer noch das beste Labsal für einen Soldaten.“ „Ich danke auch für Eure Freundlichkeit“, sagt der Soldat, nachdem er getrunken hatte. Bei sich selbst denkt er: Eine Königstochter und dabei so freundlich und schön. Und ich werde hier der Herrscher des Reiches sein, dieses Glück darf an mir nicht vorübergehen. Ich wache, und wenn es notwendig ist, kämpfe ich auch. Ich lasse nicht nach, was auch geschieht! Bei so erfreulichen Aussichten und Gedanken übermannte ihn die Schläfrigkeit. Sie begann ihn furchtbar zu quälen, und der Soldat dachte bei sich: Ich setze mich ein wenig hin vor die Tür und erhole mich. Wenn aber die Königstochter, diese Rose, zur Tür hinausgehen sollte, spüre ich es von weitem, schon am Geruch, und springe hoch. Doch darin irrte er sich gründlich! Sowie er sich setzte, versank er in tiefen Schlaf und fiel vor der Tür nieder. Nun schaute die Königstochter siegesfroh durch die Tür und sagte: „Du elender ehrgeiziger Wicht! Die anderen sind schon vom Geruch meines Schlafmittels wie tot eingeschlafen. Und du glaubst, trinken und dabei noch auf den Beinen bleiben zu können!“ Mit diesen Gedanken schleppte sie ihn an den Beinen von der Tür weg und trat auf den Gang. Der Soldat schlief wie tot bis zum späten Morgen, so lange, bis der König ihn selbst wecken kam und zu ihm sprach: „Stehe auf, mein elender Schwiegersohn, und bereite dich auf den Tod vor, damit dein närrischer Kopf schnell neben die anderen närrischen Köpfe kommt.“ Erschrocken begriff der Soldat, was passiert war, und stand stumm vor dem König. Allmählich erholte er sich von dem Schreck und sagte: „Verehrter Herr König! Es ist nicht ehrenvoll von Euch, dem Herrscher eines so großen Reiches, auf diese Weise einen Soldaten zu töten. Es würde Euch vielmehr zur Ehre gereichen, wenn Ihr es mit mir noch einmal versuchtet und Eure Tochter dann wieder Sieger bliebe. Gewährt mir die Gnade und erlaubt mir, noch zwei Nächte bei Eurer Tochter zu wachen, so wie es in unserem Reiche immer Brauch war, dass nämlich alle größeren Versuche dreimal durchgeführt werden, dann erst ist der Sieg unbestritten und vollständig.“ Diese Rede wirkte auf den König, und er sagte: „Da du so viel von Ehre und Ungerechtigkeit zu schwatzen weißt, will ich dir deinen Wunsch erfüllen, obwohl es dir wenig nützen wird. Wache denn noch zwei Nächte, aber feilsche dann mit keinem Wort mehr um deinen Kopf!“ Mit diesen Worten ging der König, und der Soldat machte sich auf in die Stadt, um seine schlechte Laune verwehen zu lassen. Er lief bis zum Abend umher und ging dann wieder auf seinen Platz zur Wache.

Auch dieses Mal verlief seine Nachtwache ebenso, wie wir es schon vom ersten Mal kennen. Nun machten diese zweite unglückliche Wache und des Königs ernste Worte vom Sterben den Soldaten so sorgenvoll, dass ihn all die Schönheiten der Stadt nicht mehr berührten und er wie blind immer nur vorwärts lief, bis ihn eine Stimme aus seinen Gedanken aufschreckte und er die Frage vernahm: „Soldat! Bist wohl ein Fremder in dieser Stadt, und welche Sorge quält dich?“ Nun schaut der Soldat auf und sieht einen grauen Alten vor sich stehen. „Väterchen! Ich komme von daundda“, und so erzählt der Soldat dem Alten alle seine Erlebnisse von Anfang bis Ende und fügt auch hinzu, dass morgen um die gleiche Zeit sein Kopf schon auf der Mauer sein wird. Der alte Mann hört sich alles sehr teilnehmend an und sagt dann: „Du Unglücklicher! Diesen Dienst kann kein Sterblicher vollbringen, und du könntest es nicht, auch wenn du wach geblieben wärest. Denn die Königstochter gelangt mit Hilfe eines Zaubers in Gestalt eines Schmetterlings an einen Ort, zu dem ein Mensch unmöglich gelangen kann. Aber pass auf, was ich dir sage. Gehe zum Fleischer und kaufe dir eine Blase. Und wenn du am Abend auf Wache gehst, dann bringe dir die Blase vor den Lippen so an, dass du den Schlaftrunk, den dir die Königstochter wieder geben wird, unbemerkt in die Blase gießen kannst. Dann wirst du sehen, wohin sie geht.“ Mit diesen Worten ging der Alte einige Schritte weiter und verschwand dann. Der Soldat hätte sich gern bei dem Alten bedankt oder noch einiges gefragt, aber er war nicht mehr da. So ging er sofort zum Fleischer, um den Rat zu befolgen. Er probierte und richtete so lange, bis er mit seiner Kunst zufrieden war.

Am Abend tritt die Königstochter ebenso wie vorher zu einer Zeit, da die anderen Menschen schon schlafen, aus ihrem Zimmer heraus und reicht dem Soldaten die Erfrischung. Doch diesmal gießt der Soldat sie in die kunstvoll angebrachte Blase, dankt jedoch ebenso wie früher. Sobald die Königstochter fortgeht, setzt sich der Soldat, aber nicht mehr vom Schlaf bezwungen, sondern aus Schlauheit, nieder. Später legt er sich hin, stellt sich schlafend und schnarcht. Die Königstochter sieht das, kommt voller Freude heraus, schiebt seine Beine zur Seite, geht den Gang entlang, öffnet eine geheime Luke und steigt eine Treppe hinunter. Der Soldat sieht das, steht leise auf und horcht, ob alles unter dem Fußboden ruhig ist. Das ist der Fall. Er geht zur Luke, öffnet sie, nimmt das Gewehr in die Hand und beginnt die Treppe hinabzusteigen. Zu Anfang ist der Weg schmal und dunkel, doch schließlich wird er breiter, und vor seinen Augen öffnet sich eine ganz andere Welt, es herrscht aber völlige Stille. Nun schreitet er schnell vorwärts, um die Königstochter einzuholen, bis ein Quieken und Krächzen ihn zum Stehen zwingt. Der Soldat ruft mit fester Stimme, man soll still sein oder aber ihm sagen, was der Lärm bedeutet. Eilig laufen drei winzige Männlein auf ihn zu und fangen gleich an zu schreien und durcheinander zu reden. Doch der Soldat kann kein Wort verstehen. Er schlägt mit dem Gewehrkolben auf den Boden und sagt: „Seid jetzt sofort still, und nur der redet, den ich frage!“ Dann sagt er zu einem Zwerg: „Sprich du, was macht ihr hier für einen Lärm, die anderen aber halten das Maul!“ Nun beginnt das Männlein zu erzählen: „Unser Vater wurde alt und starb, und wir, seine drei Söhne, streiten uns wegen der Erbschaft. Der eine will sie für sich, und der andere will sie auch für sich. Deshalb der Streit. Sei du, Soldat, so gut und halte Gericht, wer das Erbe des Vaters erhalten soll.“ Der Soldat fragt: „Worin besteht denn die Erbschaft des Vaters?“ Das Männlein antwortet: „Ein Paar Stiefel, eine Mütze und ein Stock.“ Der Soldat sagt: „Es nimmt ein jeder eine Sache für sich, und damit gebt ihr euch zufrieden.“ Aber die Männlein fangen erneut zu krakeelen und zu lärmen an. Der Soldat stampft mit dem Fuß auf und befiehlt Ruhe. Dann fragt er wieder denselben Zwerg: „Warum tut ihr nicht so, wie ich befehle?“ Der antwortet: „Diese Sachen kann man niemals trennen. Dann haben sie keine Macht mehr.“ Der Soldat fragt: „Welche Macht besitzen sie denn?“ „Die Stiefel“, erklärt der Zwerg, „haben die Macht, dass dem, der sie anzieht und dabei denkt: Wenn ich jetzt da und dort wäre – sein Wunsch sofort erfüllt wird. Die Mütze wiederum ist so: Wenn du sie aufsetzt, kannst du in der größten Menschenmenge sein, und keiner wird dich sehen. Und den Stock, den brauchst du nur loszuschrauben, und schon kommen drei kräftige Männer heraus, die in Windeseile die größte Armee besiegen können.“ „Sehr gut“, sagte der Soldat. „Jetzt verstehe ich euren Streit und will die beste Entscheidung treffen. Ich werde einen Schuss abgeben, und wer mir von euch die Gewehrkugel am schnellsten zurückbringt, der bekommt alle Sachen. Wenn ihr mit dieser Entscheidung zufrieden seid, dann macht euch für den Lauf bereit." Alle drei schrien: „Eine sehr gute Entscheidung!“ Der Soldat legte das Gewehr an - ein Schuss, und die Zwerge liefen in Windeseile davon, um die Kugel zu holen. Der Soldat tat jetzt, was das Nächstliegende war. Er nahm die Stiefel, zog sie an, setzte die Mütze auf, nahm den Stock in die Hand und dachte: Könnte ich jetzt dort sein, wo die Königstochter ist! O Wunder, im selben Augenblick fand er sich in einem großen, prächtigen Saal wieder. Er sieht: die Königstochter sitzt hier mit dem Königssohn der Unterwelt am Tisch, trinkt teuren Wein und unterhält sich mit ihm. Der Königssohn hat gerade die Gläser gefüllt und schiebt das eine der Königstochter zu. Der Soldat nimmt das Glas, das für die Königstochter bestimmt ist, trinkt es in einem Zug aus und stellt es leer auf den Tisch. Das macht er drei mal. Über diesen schlechten Scherz erbost sich die Königstochter sehr und verlangt von dem Königssohn der Unterwelt eine Erklärung, warum er sie mit einem leeren Glas narrt. Dann geht sie böse und ohne sich zu verabschieden davon. Der Soldat, der das alles tut und sieht, denkt: Wenn ich jetzt auf meiner Wachstelle wäre!, und dies geschieht augenblicklich.

Schließlich kommt die Königstochter durch die Luke nach oben, wo der Soldat sie freudig begrüßt. Wegen all dieser Ereignisse war die Königstochter schlechter Laune. Vor allen Dingen ärgerte es sie, dass sie jetzt die Frau eines niederen Mannes werden sollte. Sie wollte dem Vater nicht die Wahrheit sagen, doch der Soldat erzählte alles, was er bei dem Königssohn der Unterwelt gesehen hatte. Nur das Leeren des Glases und die Geschichte mit den Zwergen behielt er für sich.

Es wurde im ganzen Lande bekannt gegeben, dass der König nunmehr einen Schwiegersohn gefunden hat, was bisher unmöglich gewesen war, und dass er alle Hohen und Niederen zur Hochzeit einlädt. Vier Wochen dauerte das Hochzeitsfest in Überfluss und Herrlichkeit, und gegen Ende der Hochzeit versprach der König allen Hohen und Niederen, dass nach seinem Tod die Herrschaft über das Land in die Hände des Schwiegersohnes übergehen sollte. Die Anwesenden waren damit zufrieden.

Nun lebte der arme Soldat im Königsschloss in Überfluss und Reichtum, doch seine Frau zeigte sich ihm gegenüber immer kühl und begann ihn auszuforschen, wie es ihm gelungen war, ihr Geheimnis von der Unterwelt zu erfahren. Nach langem Drängen erzählte er ihr sein Erlebnis mit den kleinen Männlein, und dass er diese Sachen auch heute noch in einem Schrank aufbewahre.

Eines Tages nahm die Königstochter diese Sachen aus dem Schrank, betrachtete sie, schraubte dann den Stock auf, und sofort sprangen aus dem Stock drei Recken heraus und fragten: „Was ist zu tun?“ Die Königstochter befahl: „Werft meinen Mann aus unserem Reich hinaus, mehr will ich nicht von euch.“ Sofort wird der Befehl ausgeführt, und der Schwiegersohn des Königs findet sich nach längerer Bewusstlosigkeit in einem sehr großen Moor wieder, in dem er bis zum Hals drinsteckt. Da nimmt er seine ganze Kraft zusammen, hebt und streckt sich so lange, bis es ihm endlich nach vielen Bemühungen gelingt, sich herauszuarbeiten. Er erholt sich bald von seinem Schrecken und geht am Moor entlang auf die Wanderschaft, um sich etwas zum Essen zu suchen. Nach langem Wandern findet er auf einem Mooshügel schwarze Beeren, die pflückt und isst er. Der Soldat denkt: Wenn ich wenigstens Beeren finde, werde ich nicht verhungern. Jetzt wird er durstig, geht und sucht Wasser, findet aber keins. Endlich sieht er in der Ferne einen klaren Bach, geht hin, beugt sich zum Trinken, doch zu seinem Entsetzen blickt ihn ein schwarzer Kopf mit schrecklichen Hörnern aus dem Wasser an. Nach mehrmaligem Hinschauen erkennt er schließlich, dass er selbst der Gehörnte ist. Jetzt stöhnt er: „O ich Unglücklicher! Sollte ich mich jemals von diesem schrecklichen Ort retten, so darf ich mich doch mit meinen Hörnern nirgends mehr vor den Menschen zeigen. Nun bin ich verIoren.“ In solchen Gedanken irrt er umher und sieht abseits wieder Beeren, aber die sind rot. Er pflückt sich auch von diesen Beeren, isst sie, und hebt sich ebenso wie von den ersten einen Vorrat auf. Auch nach dem Genuss dieser Beeren bekommt der Mann Durst, geht zu der Quelle zurück, beugt sich zum Trinken, und zu seinem großen Erstaunen schaut ihn jetzt der Kopf eines sehr hübschen jungen Mannes an. Er prüft nochmals das Bild und begreift, dass ihn die Beeren jedesmal verwandelt haben. Der Mann legt die beiden Beerenarten wie einen teuren Schatz getrennt in ein Tuch und setzt seine Wanderung mit großer Mühe fort, um aus der einsamen Gegend herauszukommen, was ihm auch nach einigen Tagen Wanderung gelingt. Er kommt in ein kleines Dorf und forscht nach dem Ort, dem Reich und nach dem Namen der Hauptstadt. Doch sie ist hier so gut wie unbekannt. „Da du ein gesunder, hübscher junger Mann bist, kannst du vielleicht, wenn du schnell gehst, in etwa zehn Tagen die Hauptstadt erreichen, aus unserem Dorf ist noch keiner dort gewesen.“

Nach dieser Auskunft macht sich der junge Mann auf den Weg in die Hauptstadt, und am zehnten Tag erreicht er sie auch. Er geht in eine Herberge, um sich von der Müdigkeit zu erholen. Am nächsten Morgen steht er auf, nimmt die im Moor gefundenen schwarzen Beeren und erscheint unter dem Fenster der Königstochter, um ihr diese zum Kauf anzubieten. Sowie die Königstochter den hübschen jungen Mann sieht, kauft sie ihm die Beeren für einen hohen Preis ab und sagt: „Junger Mann, komm bald wieder, um mir mehr Beeren zu verkaufen. Ich werde dir stets den höchsten Preis bezahlen.“ Der junge Mann dankt und geht. Nun machte sich die Königstochter an die Beeren und aß sie bis zur letzten Beere auf, denn sie schmeckten ihr ausgezeichnet. Gerade hatte sie die letzte aufgegessen, als eine Dienerin ins Zimmer trat. Doch wie ein Blitz rannte sie aus dem Zimmer hinaus, verschloss die Tür und schrie: „Hilfe! Hilfe! Ein schreckliches Hornvieh hat unsere Königstochter gefressen und sitzt statt ihrer auf dem Stuhl vor dem Tisch!“ Auf diesen Schrei hin liefen alle Hohen und Niederen aus dem Schloss herbei, auch der König selbst, und sie sahen, dass es stimmte. Nun herrschte große Verwirrung im Haus. Die Königstochter war zunächst sehr erstaunt und verärgert und heischte: „Mit welchem Recht dürft ihr meine Ruhe stören?“ Der König fragt: „Bist du meine Tochter? Schau in den Spiegel, was für schreckliche Hörner du auf dem Kopf hast!“ Jetzt wendet sie sich einem Spiegel zu. O Schreck! Sie schreit und weint, fasst sich an die Hörner, um sie abzubrechen, doch es geht nicht, sondern tut ihr nur weh. Nun herrschte im Hause des Königs tiefe Trauer.

Der König erließ einen Befehl, dass alle Ärzte des Reiches beim König zu erscheinen haben. „Wem es gelingt, meine Tochter zu heilen, der wird nach meinem Tod König über das Reich und erhält auch meine Tochter zur Frau.“ Die Ärzte kamen wohl zu Tausenden, jeder machte seinen Versuch, doch alles blieb erfolglos. Als unser junger Mann hörte, dass alle Versuche fehlgeschlagen waren, ging er in ein Geschäft, wählte sich die schönsten Doktorkleider, machte sich zurecht und ging dann zum König. Er sagte, er komme von sehr weit her und heile nur die Krankheiten der Könige und Fürsten, die ihr Wort halten und den Preis nicht ändern. Sowie der König und seine Tochter das hörten, waren sie guter Dinge und versprachen, alle seine Wünsche zu erfüllen. Daraufhin befahl der junge Doktor dem König: „Baue mir fünf Werst hinter der Stadt eine Kate auf, in ihr sollen zwei Stühle, ein Tisch, ein Spiegel und einige Dutzend frischer Faulbeerbaumruten sein. Wenn ich dorthin zur Behandlung fahre, gibst du mir fünfzig Musikanten mit, außerdem einen Wagen mit vier vorgespannten Pferden und einem Kutscher auf dem Bock, damit er mir im Notfalle zur Hand sei.“ Der König versprach, noch heute für alles zu sorgen, gab dem Tischler und allen anderen die notwendigen Befehle, und noch vor dem Abend war alles fertig.

Am nächsten Tag erscheint der junge Doktor, setzt sich mit seiner Gehörnten in den Wagen und fährt zur Kate, wo schon fünfzig Musikanten auf ihn warten. Dem Kutscher befiehlt er, vor der Kate mit den Pferden zu warten, begleitet die Kranke hinein, befiehlt, die Musikanten zu rufen, tritt selbst hinein, schließt ab und beginnt sein Doktoramt. Zuallererst befiehlt er streng: „Kleider runter!“ Der Befehl wird ausgeführt. Jetzt packt der Arzt die Königstochter an den Hörnern und beginnt sie mit den Faulbeerbaumruten zu bearbeiten, so viel, wie sie aushalten kann, bis sie ihn schließlich auf den Knien anzuflehen beginnt. Nun geht er daran, sie nach allem Bösen auszufragen, was sie ihrem Mann angetan hat und was ihr die Macht dazu gegeben hat. Die Königstochter bekennt alle ihre Sünden und sagt, dass der Stock, die Mütze und die Stiefel auch jetzt noch vorhanden seien. Der Doktor tadelt sie und fragt, ob sie, falls sie genese, weiterhin solche Gedanken ihrem Manne gegenüber haben würde. „Denn ich habe nur die Macht, dich zu heilen, wenn du alles versprichst. Geh, setze dich in die Kutsche und bringe mir die Zaubergegenstände hierher. Dann mache ich dich sofort gesund.“ „Ich will alle deine Forderungen erfüllen“, sagte die Königstochter, „wenn ich nur diese schrecklichen Hörner loswerde.“ „So fahre denn!“ Mit diesen Worten begleitete er sie zur Kutsche, und nach einigen Minuten war sie zurück mit den bekannten Gegenständen, die der Doktor in einem Kasten verschloss. Dann gab er ihr die roten Beeren zu essen, die er im Moor gefunden hatte. Als der Doktor ihr dann befahl, in den Spiegel zu schauen, sah sie sich zu ihrer Freude sehr schön und jünger, als sie vorher war. Sie dankte von Herzen dem Doktor und versprach, dass sie ihm als ihrem Liebsten bis zum Tode treu sein werde.

So fuhren die beiden schönsten Menschen zum Königshaus, wo sie mit großer Freude und mit Glückwünschen empfangen wurden. Der König rief alle Hohen und Niederen zur Hochzeit, die fast sechs Wochen dauerte. Nach dem Tode des Königs lebten sie glücklich, und das ganze Volk liebte sie. Doch die Stiefel, die Mütze und der Stock gingen verloren, und es ist bis auf den heutigen Tag nicht bekannt, wo sie hingeraten sind.

 















Kurzgeschichten Märchen

Eine Kurzerzählung bzw. ein Märchen für Kinder

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Christian Louboutin Discount  - Demo   |08-05-2012 15:34:21
Schönes Märchen. "Doch die Stiefel, die Mütze und der Stock gingen verloren, und es ist bis auf den heutigen Tag nicht bekannt, wo sie hingeraten sind.
" Hübsch :)

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