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Im Weinsberger Wald stand in sehr alten Zeiten eine schöne Burg. Darin lebte ein Ritter mit Frau und Tochter, die, obschon sie sehr reich an Geld und Gut waren, den Armen nichts zukommen ließen. Einmal, in einem Zweikampf, wurde der Ritter getötet, worüber sich die Frau so kränkte, dass sie aufs Sterbebett kam. Bevor sie aber den letzten Seufzer aushauchte, bekam sie Angst um ihre Seele und beschwor ihre Tochter, ein Drittel des Geldes, das sie ihr hinterlassen werde, zum Seelenheile von Vater und Mutter an die Armen im Weinsberger Walde abzugeben. Die Tochter versprach, den letzten Willen ihrer Mutter zu erfüllen. Als diese aber begraben war, gab sie von dem vielen Geld den Armen nichts, denn sie war noch geiziger als einst ihre verstorbenen Eltern, und bedrückte die zur Burg leibeigenen Bauern noch mehr als früher.
Da erzürnte der Himmel. Als einmal das ganze Gesinde am Felde war, fiel die Burg in Trümmer, und das Fräulein wurde in eine abscheuliche Schlange verwandelt, die verdammt wurde, so lange ihre Schätze zu bewachen, bis sich ein Mann fände, sie zu erlösen. In diesem Zustand hielt sie sich in einer verborgenen Höhlung des Gemäuers auf, das alsbald von fast undurchdringlichem Dickicht umwuchert ward. Nur alle hundert Jahre einmal erhielt sie, am Sterbetag ihrer Mutter, zwischen dem Abend- und Morgengebetläuten, ihre jugendfrische Gestalt wieder und saß dann verborgen im Gebüsch, weinend und jammernd über ihr Geschick und voll Reue über ihren Geiz.
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