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Ein kleines Kästchen steht in meinem Schreine, Ganz wertlos scheint es, nur aus schlichtem Holze; Doch würde ich das Kästchen nicht vertauschen, Böt'st du mir eins dagegen ganz aus Gold, Besetzt mit Perlen und mit Edelsteinen, Gefüllet bis zum Rand mit Diamanten. „Welch Keinod hält dein Kästchen denn verborgen?“ Schau her, ich will's vor deinem Blick erschließen. „Wie? Dürre Blätter nur und welke Blumen, Ein weißes Steinchen hier, ein buntes Band, Ein Stückchen Rinde da von einer Eiche, Ein wenig Moos und eine dünne Locke! Geh' Freund! Du hast nur Scherz mit mir getrieben, Dein schlechter Kram ist keinen Heller wert.“ So töricht bist du nun, weil diese Dinge Nicht Wert in deinen eignen Augen haben, So sprichst du allen Wert den Dingen ab. Es liegt gar eine große Macht verborgen In vielen Dingen, die dir richtig scheinen. Schlag auf ein Zauberbuch als Ungeweihter, So scheinen nichtig dir darin die Zeichen. Dem Meister aber sind bekannt die Kräfte, Die jene dunklen Zeichen in sich fassen, D'rum sind sie heilig auch allein dem Meister. Er weiß, dass sie allein die Kraft ihm geben, Durch die er über alle Geister herrscht; Durch die er aus der Erde Eingeweiden, Aus fernen Wolken, auf des Meeres Tiefen Die Geister, wenn er will, zu sich entbietet. Sieh! Diesem Zauberbuche gleicht mein Kästchen. Die dürren Blätter und die welken Blumen, Das bunte Band, der Stein, die dünne Locke, Und was es sonst noch hält in sich verborgen. Das sind des Buch's geheimnisvolle Zeichen. Die Geister, die durch sie herbei ich rufe, Sind süße Augenblicke, Stunden, Tage, Die ich verlebt' in längst vergangner Zeit. Sprich! Zweifelst du noch jetzt, dass ich nicht tausche Mein Kästchen gegen Gold und Edelstein?
raduga | joomlaportal
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